Wie viel kostet eine Handwerkerstunde?

clock-146560_640Wie viel kostet eine Handwerkerstunde? Wenn ein Kunde wissen möchte was ihn eine Handwerkerstunde kostet, dann liegt die Antwort durchschnittlich zwischen 40 und 50 Euro. Hierbei handelt es sich aber NICHT um den Stundenverdienst! Dieser Stundenverrechnungssatz bedeutet noch lange nicht, dass der Betrieb auch so viel verdient.

Die meisten Kunden verstehen nicht, wieso eine Handwerkerstunde so „teuer“ ist. Dabei wissen sie oft einfach nur nicht, wie sich die Kosten für den Handwerker zusammensetzen.

Diese Orientierungshilfe stellt exemplarisch die Kosten für eine Handwerkerstunde eines Gesellen dar:

Geld14,00    Euro     Bruttostundenlohn                (31%)
11,90    Euro     Lohnnebenkosten                 (26%)
17,40    Euro     Betriebliche Gemeinkosten    (38%)
  2,20    Euro     Gewinn                                ( 5%)
45,50    Euro     Stundenverrechnungssatz netto
  8,65    Euro     19 % Mehrwertsteuer                    
54,15    Euro    Stundenverrechnungssatz brutto
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Und um das alles jetzt noch zu veranschaulichen, hierzu ein kleines Beispiel:

Ein Kunde vergibt einen Auftrag. Als der Metallbaugeselle kommt, fragt der Kunde ihn beiläufig, wie hoch sein Stundenlohn sei. Antwort: 14,00 Euro. Später kommt die Rechnung des Meisters mit einem Stundenverrechnungssatz von 45,50 Euro – ohne MwSt. „Schöne Gewinnspanne!“ denkt der Kunde verärgert.

Was er nicht bedenkt: Der Meister muss seinem Gesellen auch während der Urlaubs- und Feiertage, bei Krankheit usw. Lohn zahlen. Außerdem zahlt er Weihnachtsgeld und VWL. Auf alle genannten Positionen fällt auch noch der Arbeitgeberanteil zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung sowie Berufsgenossenschaft usw. an. Diese Lohnnebenkosten betragen ca. 79 Prozent des Metallbauerlohnes oder (wie in unserem Beispiel) 11,90 Euro. Um seinem Gesellen also 14,00 Euro zahlen zu können, müsste der Meister 25,90 Euro verlangen.

Darüber hinaus entstehen im Handwerksbetrieb aber noch weitere Kosten: Die Gemeinkosten. Diese liegen in unserer Branche bezogen auf den Gesellenlohn, bei ca. 111 Prozent oder (in unserem Beispiel) bei 17,40 Euro.

Zusammen sind das 14,00 + 11,90 + 17,40 = 43,30 Euro. Hierzu kommt ein Zuschlag für Wagnis und Gewinn von 5 % Prozent. So liegt der Stundenverrechnungssatz in unserem Beispiel bei 45,50 Euro ohne MwSt.

Hier noch einmal einen kleinen Überblick:

 Lohnnebenkosten:

Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung (Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung), bezahlte Urlaubs- und Feiertage, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlter Mutterschaftsurlaub, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Beitrag zur Umlage am Insolvenzgeld, Abgabe nach dem Schwerbehindertenrecht, nicht verrechenbare Zeiten

 Betriebliche Gemeinkosten:

Gehälter und Personalnebenkosten für Mitarbeiter im Büro, Raumkosten, Heizung, Strom, Gas, Wasser, betriebliche Versicherungen, Gebühren, Beiträge, Porto, Telefon, Werbung, Internet, EDV, Kfz-Kosten, Rechts- und Beratungskosten, Instandhaltung, Reparaturen, Reinigung, Zinsen für Kredite, Abschreibungen auf abnutzbare Wirtschaftsgüter, kalkulatorische Kosten

Vor überhöhten Rechnungen müssen Sie als Kunde aber keine Angst haben! Denn die meisten Aufträge werden erst nach dem Erstellen eines individuellen Angebotes vergeben. Dort sind in der Regel alle gewünschten Leistungen aufgeführt und nach Massen/Mengen (m², m, Stück etc.) aufgeschlüsselt. An diese Preise halten wir uns natürlich! Sie zahlen also nicht mehr als vorher vereinbart.

(Stand: Mai 2014)
(Bilder: Quelle Pixabay)